21
Sep
2016
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Friede, Freude, Eierkuchen – Alle lieben den Schmarrn.

Friede, Freude, Eierkuchen war das Motto der allersten Berliner Love Parade im Jahr 1989. Dass Dr. Motte dieses Motto für die Veranstaltung ausrief, hatte vor allem den Grund, die Parade als Demonstration deklarieren zu können. In dieser neuen Rolle hatte die Redewendung eine etwas andere Bedeutung als im allgemeinen Sprachgebrauch, wo sie viel eher eine schöne, vorgeschobene oder auch scheinheilige Fassade beschreibt als tatsächliches Glück. Im Falle der Love Parade stand „Friede“ hingegen ganz konkret für Abrüstung, „Freude“ für Musik und „Eierkuchen“ für eine gerechte Nahrungsmittelverteilung. Woher die Redewendung sprachlich gesehen kommt, weiß niemand so richtig. Selbst die Gesellschaft für deutsche Sprache, die einst versuchte, per Preisausschreiben eine Lösung für dieses Rätsel zu finden, kam dem sprachlichen Dreiklang nicht so ganz auf die Spur.

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14
Sep
2016
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Ein Heidenspaß! Wir feiern gern wie die Wilden.

Während es sich in der Schule, im Büro, am Spielplatz, in Diskussionen und Streitgesprächen, beim Einkaufen, in der Bank, im Restaurant, am Steuer, im Zug oder überhaupt bei den meisten öffentlichen Interaktionen eher weniger geziemt, sich wie verrückt und wie die Wilden aufzuführen, ist es an anderer Stelle geradezu Pflicht oder zumindest Qualitätsmerkmal: beim Feiern. Das können nämlich diejenigen am besten, die es am zügellosesten tun. Und je mehr wir loslassen, uns gehen-, alles rauslassen und die sonst so notwendige Selbstkontrolle abgeben, desto größer ist auch der Spaß. Ein Heidenspaß kann es dann sogar werden. Ein Begriff, der auf den ersten Blick vermuten lässt, die gottlosen Heiden hätten aufgrund ihres von religiösen Regeln verschont gebliebenen Lebens nun einmal einfach mehr Spaß. Aber möglicherweise ist es auch ganz anders.

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26
Aug
2016
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Rabenmütter sind gute Mütter. Und Stiefmütter sind die besten.

Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm, wissen und sagen wir. Und obwohl nicht ganz geklärt zu sein scheint, wie, wo und wann diese Wendung entstanden ist, lässt uns das Bild des Apfelbaums doch sehr klar verstehen, dass die räumliche Nähe des Apfels zu seinem Stamm, seinem Ursprung, die innere, charakterliche Nähe zwischen Eltern und Kindern versinnbildlicht. Simpler gesprochen: Wir alle tragen mehr von unseren Eltern in uns, als uns vielleicht manchmal lieb ist. Und folglich sind auch unsere Nachkommen keine Tabula Rasa, keine leere Schreibtafel oder ein gänzlich unbeschriebenes Blatt, das nach Lust und Laune gestaltet werden kann. Auch Sie leben einige unserer Eigenschaften, Talente, Charakterzüge und Verhaltensweisen weiter. Ob wir das alle wollen oder nicht.

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27
Jul
2016
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Babypause, Elternzeit und andere mächtige Worte

Die Macht der Worte. Sie zeigt sich unter anderem dort, wo uns Sprache wie eine gefärbte Brille einen ganz bestimmten Blick auf die Welt haben lässt. Wenn zum Beispiel der Asylant anders als der Asylsuchende oder Refugee aufgrund seiner Wortendung ganz schnell ein ähnlich negatives Bild vermittelt wie der Querul-ant, der Simul-ant oder der Ignor-ant. Und wenn Flüchtlinge im Gegensatz zu Flüchtenden ein wenig Herabwürdigung erfahren, wie es auch beim Schön-ling und dem Schreiber-ling der Fall ist. Oder auch dann, wenn wir für Arbeitssuchende aufgrund ihres ausgesprochenen Willens einen Beitrag zu leisten weitaus mehr Verständnis aufbringen als für die viel passiveren Arbeitslosen.

Alles eine Frage der Perspektive.

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21
Feb
2016
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Blogs und Politik: Wo Wölfe im Schafspelz die Hosen runterlassen dürfen.

Dass der Artikel einer Tageszeitung davon berichtet, wie ein Politiker bei einer Rede die Hosen herunterlässt, hätte sich sowohl im buchstäblichen als auch sprichwörtlichen Sinne verstanden nicht ganz passend angefühlt. Als sich jedoch herausstellte, dass es sich gar nicht um einen gewöhnlichen Artikel, sondern einen Beitrag im derStandard.de Blog zum Thema Stadt, Land, Politik handelte, klang das Bild der nackten Beine plötzlich gar nicht mehr so befremdlich. Denn ein Blog darf schließlich sprachperlenspielen. Aber: warum eigentlich?

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5
Feb
2016
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Vom Fleck weg unter der Haube. Wie zeitlos ist die Ehe?

„Das erste Band der Gesellschaft ist die Ehe”, meinte Cicero angeblich irgendwann um 60 v.Chr. Er selbst war zwei Mal verheiratet – einmal davon mit einer 45 Jahre jüngeren Frau. Die Ehe war einst vor allem eines: Absicherung – existenzielle wie auch gesellschaftliche. Nicht nur zu Lebzeiten Ciceros, sondern bis ins Mittelalter, in die Neuzeit und ins 20. Jahrhundert hinein. Und irgendwie bis heute. Was heute aber doch anders ist als im Mittelalter: es entscheidet nicht mehr unbedingt ein genähter „Fleck“ über die Tauglichkeit einer Frau als Gemahlin.

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22
Jan
2016
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Über Kind und Kegel, Bastard und Baungat. Und den Rest der Bagage.

Wer mit Kind und Kegel unterwegs ist, verreist, umzieht oder auch flüchtet, so verstehen es die meisten, hat die gesamte Familie und möglicherweise auch sein gesamtes Hab und Gut mit dabei. Welche Rolle der „Kegel“ dabei genau spielt, hat mit einer Bedeutung des Wortes zu tun, die bereits seit dem 17. Jahrhundert wieder weitgehend in Vergessenheit geraten ist: der Kegel als Begriff für die aus unehelichen oder auch außerehelichen Beziehungen entstandenen (zumeist männlichen) Nachkommen. Was sie von den „echten“ Kindern unterschied, war vor allem ihr rechtlicher Status – obwohl dieser gar nicht immer der schlechteste gewesen sein muss.

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23
Dez
2015
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Aber was wirklich zählt, sind Zahlen.

Sprache ist super! Finde ich, genauso wie ganz viele andere, die von Worten und ihrem speziellen Zauber so fasziniert sind. Zahlen hingegen – für die sprechen nur ganz wenige offen ihre Liebe aus. Im Gegenteil – es ist total okay, zuzugeben, dass wir Zahlen und ihre Logik nicht verstehen und auch gar nicht verstehen wollen. Langweilig seien sie, trocken und fantasiefeindlich. Deshalb ist auch fehlendes mathematisches Talent in Ordnung, bzw. sogar ein bisschen sexy, solange es sich durch unsere doch so feinen sprachlichen Sensoren und Fähigkeiten erklären lässt. Ganz gelegen kommt uns auch, dass wir uns als Team Sprache gleichzeitig zu dem etwas hochgeistigeren und kreativeren Teil der Bevölkerung zugehörig fühlen. Dabei sind es in Wahrheit doch gerade die Zahlen, die uns den ganzen Tag beschäftigen. Es ist doch das Zählen, das permanent dazu benutzt wird, ein wenig Ordnung in unseren Köpfen zu schaffen. Und zählen tun wir die ganze Zeit – alles, immer und überall.

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6
Okt
2015
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Aus dem Häuschen sind Narren in Paris. Und im Haus, da wohnt die Seele.

Wer einem Kind zeigt, wie ein Haus gezeichnet wird, macht es (hierzulande) höchstwahrscheinlich so: Ein Viereck unten, ein Dreieck oben drauf, zwei Fenster, eine Tür und ein Schornstein mit Rauch. Das „Haus“ könnte zwar seiner Definition nach auch ein Hochhaus sein, ein Geschäftsgebäude oder ein Reihenhaus. So eines zeichnen wir aber nicht – wir zeichnen das zweistöckige Einfamilienhaus mit rotem Satteldach. So tun es dann auch unsere Kinder: links oder rechts davon Mama und Papa, Brüder und Schwestern, Omas und Opas, Haustiere, ein Baum, Blumen, eine Sonne und eventuell ein paar Wolken. Und plötzlich wird das Viereck mit dem Dreieck oben drauf zu mehr als nur unserem kulturspezifischen Symbol für den Begriff “Haus”. Es wird zum Symbol für Zuhause, für Daheim und vielleicht sogar für Heimat.

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11
Sep
2015
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Ich bin doch nicht die Caritas! Und der gute Lodsch ist kein Ungar.

Der Sommer ist vorbei, das Thema dieses Sommers noch lange nicht. Warum uns die Folgen von Krieg und Flucht gerade jetzt so bewegen, obwohl so viele Menschen seit so langer Zeit und überall auf der Welt Krieg, Zerstörung und Tod ausgesetzt sind, hat wohl nicht nur mit den nackten Flüchtlingszahlen zu tun. Wir können die Folgen jetzt sehen und sogar be-greifen – vor unserer eigenen Haustür, in unseren Städten und an unseren Bahnhöfen. Da sind sie plötzlich so viel echter als im Fernsehen und in den online-Nachrichten. Und auf einmal erkennen wir, dass das alles ja unsere ganze Welt verändern kann.

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