21
Feb
2016
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Blogs und Politik: Wo Wölfe im Schafspelz die Hosen runterlassen dürfen.

Dass der Artikel einer Tageszeitung davon berichtet, wie ein Politiker bei einer Rede die Hosen herunterlässt, hätte sich sowohl im buchstäblichen als auch sprichwörtlichen Sinne verstanden nicht ganz passend angefühlt. Als sich jedoch herausstellte, dass es sich gar nicht um einen gewöhnlichen Artikel, sondern einen Beitrag im derStandard.de Blog zum Thema Stadt, Land, Politik handelte, klang das Bild der nackten Beine plötzlich gar nicht mehr so befremdlich. Denn ein Blog darf schließlich sprachperlenspielen. Aber: warum eigentlich?

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5
Feb
2016
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Vom Fleck weg unter der Haube. Wie zeitlos ist die Ehe?

„Das erste Band der Gesellschaft ist die Ehe”, meinte Cicero angeblich irgendwann um 60 v.Chr. Er selbst war zwei Mal verheiratet – einmal davon mit einer 45 Jahre jüngeren Frau. Die Ehe war einst vor allem eines: Absicherung – existenzielle wie auch gesellschaftliche. Nicht nur zu Lebzeiten Ciceros, sondern bis ins Mittelalter, in die Neuzeit und ins 20. Jahrhundert hinein. Und irgendwie bis heute. Was heute aber doch anders ist als im Mittelalter: es entscheidet nicht mehr unbedingt ein genähter „Fleck“ über die Tauglichkeit einer Frau als Gemahlin.

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22
Jan
2016
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Über Kind und Kegel, Bastard und Baungat. Und den Rest der Bagage.

Wer mit Kind und Kegel unterwegs ist, verreist, umzieht oder auch flüchtet, so verstehen es die meisten, hat die gesamte Familie und möglicherweise auch sein gesamtes Hab und Gut mit dabei. Welche Rolle der „Kegel“ dabei genau spielt, hat mit einer Bedeutung des Wortes zu tun, die bereits seit dem 17. Jahrhundert wieder weitgehend in Vergessenheit geraten ist: der Kegel als Begriff für die aus unehelichen oder auch außerehelichen Beziehungen entstandenen (zumeist männlichen) Nachkommen. Was sie von den „echten“ Kindern unterschied, war vor allem ihr rechtlicher Status – obwohl dieser gar nicht immer der schlechteste gewesen sein muss.

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23
Dez
2015
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Aber was wirklich zählt, sind Zahlen.

Sprache ist super! Finde ich, genauso wie ganz viele andere, die von Worten und ihrem speziellen Zauber so fasziniert sind. Zahlen hingegen – für die sprechen nur ganz wenige offen ihre Liebe aus. Im Gegenteil – es ist total okay, zuzugeben, dass wir Zahlen und ihre Logik nicht verstehen und auch gar nicht verstehen wollen. Langweilig seien sie, trocken und fantasiefeindlich. Deshalb ist auch fehlendes mathematisches Talent in Ordnung, bzw. sogar ein bisschen sexy, solange es sich durch unsere doch so feinen sprachlichen Sensoren und Fähigkeiten erklären lässt. Ganz gelegen kommt uns auch, dass wir uns als Team Sprache gleichzeitig zu dem etwas hochgeistigeren und kreativeren Teil der Bevölkerung zugehörig fühlen. Dabei sind es in Wahrheit doch gerade die Zahlen, die uns den ganzen Tag beschäftigen. Es ist doch das Zählen, das permanent dazu benutzt wird, ein wenig Ordnung in unseren Köpfen zu schaffen. Und zählen tun wir die ganze Zeit – alles, immer und überall.

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6
Okt
2015
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Aus dem Häuschen sind Narren in Paris. Und im Haus, da wohnt die Seele.

Wer einem Kind zeigt, wie ein Haus gezeichnet wird, macht es (hierzulande) höchstwahrscheinlich so: Ein Viereck unten, ein Dreieck oben drauf, zwei Fenster, eine Tür und ein Schornstein mit Rauch. Das „Haus“ könnte zwar seiner Definition nach auch ein Hochhaus sein, ein Geschäftsgebäude oder ein Reihenhaus. So eines zeichnen wir aber nicht – wir zeichnen das zweistöckige Einfamilienhaus mit rotem Satteldach. So tun es dann auch unsere Kinder: links oder rechts davon Mama und Papa, Brüder und Schwestern, Omas und Opas, Haustiere, ein Baum, Blumen, eine Sonne und eventuell ein paar Wolken. Und plötzlich wird das Viereck mit dem Dreieck oben drauf zu mehr als nur unserem kulturspezifischen Symbol für den Begriff “Haus”. Es wird zum Symbol für Zuhause, für Daheim und vielleicht sogar für Heimat.

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11
Sep
2015
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Ich bin doch nicht die Caritas! Und der gute Lodsch ist kein Ungar.

Der Sommer ist vorbei, das Thema dieses Sommers noch lange nicht. Warum uns die Folgen von Krieg und Flucht gerade jetzt so bewegen, obwohl so viele Menschen seit so langer Zeit und überall auf der Welt Krieg, Zerstörung und Tod ausgesetzt sind, hat wohl nicht nur mit den nackten Flüchtlingszahlen zu tun. Wir können die Folgen jetzt sehen und sogar be-greifen – vor unserer eigenen Haustür, in unseren Städten und an unseren Bahnhöfen. Da sind sie plötzlich so viel echter als im Fernsehen und in den online-Nachrichten. Und auf einmal erkennen wir, dass das alles ja unsere ganze Welt verändern kann.

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15
Jul
2015
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Hackeln, barabern, malochen. Wir arbeiten nur für’s eigene Leben gern.

Arbeit ist doch so etwas Wichtiges. Nicht nur, weil der Mensch wohl im Grunde dafür gemacht ist, irgendetwas zu tun, sondern natürlich vor allem auch zum Zwecke der Existenzsicherung. Und dies gleich in zweierlei Hinsicht, denn selbstverständlich soll unsere Arbeit unseren Lebensunterhalt einbringen und für das finanzielle Überleben sorgen. Gleichzeitig sichert sie allerdings auch einen Aspekt unseres Daseins, der heute oft mindestens genauso unverzichtbar ist – unsere Rolle und Identität in dieser oder zumindest in unserer ganz eigenen Welt. Unsere Existenzberechtigung.

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20
Jun
2015
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Gib Ruhe, lass mich in Frieden und halt’s Maul. Das Leben ist laut.

In unserem Leben, in dem wir alles immer noch ein bisschen schneller, effizienter und besser machen wollen, um auch wirklich das Allermeiste aus Karriere, Beziehung, Kindern, Körper, Aussehen und vor allem aus unserer Zeit herauszuholen, sehnen wir uns oft nach einem: Ruhe. Und vielleicht hat dieses Verlangen nach Ruhe und Frieden und Stille im Kopf etwas damit zu tun, dass allein in Deutschland etwa 1,5 Millionen Menschen tablettenabhängig sind. Süchtig nach Ruhestellung. Aber was stört die Ruhe und was sagt unsere Sprache eigentlich dazu?

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10
Jun
2015
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Bumstinazi! Wie viel Geschichte tragen wir auf der Zunge?

Aus Sicht eines Menschenlebens sind 70 Jahre eine lange Zeit. In Hin- und Rückblick auf das, was der Zweite Weltkrieg mit der Menschheit angerichtet hat – oder besser gesagt, was die Menschheit im zweiten Weltkrieg angerichtet hat, scheinen 70 Jahre aber wiederum recht kurz zu sein. Vielleicht zu kurz, um das Geschehene aufzuarbeiten. Von „wieder gut machen“ kann ohnehin nie und nimmer die Rede sein.

Oft bedeutet ein Ende nicht unbedingt, dass etwas hinter uns liegt. Vielmehr können uns traumatische Erlebnisse über viele Jahre und sogar über Generationen hinweg begleiten und prägen. Dass die Schrecken des Zweiten Weltkrieges bis heute ihre Kreise ziehen, darüber ist man sich weitgehend einig. Wie viel Kriegserbe wir heute tatsächlich noch in unseren Seelen und Köpfen tragen, lässt sich wohl schwer beziffern. Und wie viel wir davon auf der Zunge tragen, ist (uns) auch nicht immer klar.

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