6
Nov
2014
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Von den Babys kommt das Küssen. Und das Bussi kommt aus Tschechien.

Österreicher in Deutschland stolpern immer wieder über scheinbar deutsche Wörter, ohne die ein österreichisches Leben kaum vorstellbar wäre, die aber außerhalb Österreichs bzw. zumindest nördlich von München offensichtlich kein Mensch braucht. Dazu zählen „es geht sich aus“, „Beistrich“, „Sackerl“, „Spritzer“ und ja, irgendwie auch das „Bussi“ (wenn es auch zumindest überall bekannt sein dürfte). Die Nicht-Existenz des Bussis ist aus meiner Sicht besonders bedauerlich. Wie verläuft ein Leben ohne das Wort „Bussi“? Was schreiben Freundinnen (und Freunde) als Gruß am Ende einer Nachricht? Wie verabschieden sich die Menschen am Telefon, wenn es kein „Bussi, Baba!“ gibt? Und: wie zieht man eigentlich sein Kind groß ohne das Wort „Bussi“?

Die Deutschen küssen einfach weniger

Ein paar Dinge lassen sich erklären. Die deutschen Freundinnen (und Freunde) küssen sich nicht so oft als Gruß – sie umarmen sich eher. Und „ich drück dich“ kann man zur Not auch schreiben. Von Küssen ist da nicht so oft die Rede. Sieht so aus, als ob die Österreicher einfach mehr küssen, als die Deutschen. Dafür weniger umarmen. Was die deutschen Mütter anbelangt, die quälen ihre Kinder vielleicht nicht so oft mit „komm, gib der Mami ein Bussi“, aber es gibt zumindest überall das „Kussi“. Das kann schon funktionieren. Trotzdem irgendwie traurig, so ein Leben ganz ohne Bussi.

Das Bussi kommt aus Tschechien?

Warum ist das Bussi jetzt aber eigentlich so österreichisch? Oder woher kommt es überhaupt? Aus den tschechischen Gesprächen meiner Tochter mit ihrem Papa (bzw. seinen Gesprächen, sie ist ja ein Baby), habe ich irgendwann verstanden, dass das tschechische Wort für “Bussi” genau dasselbe ist, wie das für “Mund”, nämlich „pusinka“.

Logisch! Dachte ich. Das Bussi kommt also einfach vom Mund. Und das österreichische Bussi kommt dann wohl aus Tschechien.

Manche Quellen meinen sogar, das stimmt. Nämlich die Wikipedia und ihr Wiktionary, die sagen auch, dass der Ursprung des Bussis das tschechische “pusinka” ist. Laut etymologischem Wörterbuch von Friedrich Kluge sieht das aber anders aus. Da ist das Bussi einfach ein Schallwort und heißt nur deshalb so, weil es so klingt. Kann ich mir aber nicht vorstellen. Und das mit Tschechien wäre doch auch so logisch – die sind ja gleich nebenan und da gibt es viel Sprachvermischung. Die Frage ist dann nur, warum das Bussi in ganz anderen Ländern auch so ähnlich heißt, wie zum Beispiel „puss“ im Schwedischen und „bisou“ auf Französisch. Aber wie immer steige ich aus, bevor ich auf wissenschaftliches Glatteis gerate und glaube einfach meine Tschechien-Theorie. In jedem Fall – wo kein Bussi, da zumindest ein Kussi, ein Küsschen, ein kleiner Kuss oder auch ein großer. Geküsst wird (fast) überall auf der Welt, auf die ein oder andere Weise.

Das Küssen kommt von den Babys?

Wo das Küssen an sich herkommt, dazu gibt es zwei Theorien. Die eine geht davon aus, dass es immer schon einen sexuellen Hintergrund hatte, nämlich im Beschnuppern der Genitalien und der Körperflüssigkeiten eines potenziellen Sexualpartners zur Bewertung dessen Genangebots. Mit immer aufrechter werdendem Gang rutschte angeblich auch das „Küssen“ mit der Zeit nach oben. Die andere Erklärung kommt von Forschern, die meinen, das Küssen hätte seinen Ursprung im „Mund-zu-Mund-Füttern“ von Säuglingen, wie das auch heute noch in einigen Völkern getan wird. Das heißt, die Mutter kaut das Essen vor und gibt es quasi als Brei direkt an den Mund des Babys weiter.

Egal wie es heißt und woher es kommt, das Küssen ist wichtig und gesund. Das sagt auch die Wissenschaft. Serotonin, Adrenalin und alle möglichen Endorphine werden dabei ausgeschüttet, die den Körper in einen positiven Stress versetzen. Küssen stärkt außerdem das Immunsystem, schützt die Zähne durch irgendwelche gesunden Bakterien und macht angeblich sogar die Haut schöner. Und Küssen macht vor allem eines: glücklich. Das gilt für alle Menschen. Ich glaube, auch für die Deutschen.

 

Bildquelle: DaWanda

Weitere Quellen: Planet Wissen, gesundheit.de, spiegel.de, bankhofer-gesundheitstipps.de

 

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6 Responses

  1. Birdie

    Wunderbar!!!
    Ich schnuppere jetzt mal nach brauchbarem Genmaterial und morgen füttere ich mein Baby Mund-zu-Mund und all das mach ich unter dem Codenamen “Bussi”.
    Hab alles verstanden! Oder versteh ich doch einfach nur Böhmisch?
    :)

    Ich liebe diesen Blog! Und dich! ;)

    BUSSI B.

  2. Julia

    … genial, genial! Einfach herrlich Dein Blog – und der Name erst!!!
    Gratuliere Dir und der deutschsprachigen Bloggosphäre zu diesem neuen Juwel!!!!!!!

    – und schicken Dir und Matilda viele! liebe! dicke! Bussis :))
    Julia & Coco

  3. Julia

    PS. noch ein Austrizismus/Wienerizismus (?) vielleicht: GEH BITTE! Sprich: “gee-biiidtäh” und nicht “geh, bitte!”, wie es kürzlich von einer deutschen Passantin kurios an mein Ohr drang :) Die schier unüberblickbare Fülle an Bedeutungen, die dieses “Wort” für die Ösis hat, kann unsere Sprachperlenspielerin sicher viel besser definieren ;)

  4. Was ist mit Baba? :)

    Auch interessant zur Debatte mit dem Schallwort, habe ich vor kurzem über eine ähnliche Situation gelesen, und zwar über die Möglichkeit dass “Boo” (also das was der Geist auf Englisch sagt) aus dem lateinischen kommt und heißt “Ich schreie” (oder etwas in der Richtung), wobei hier die Theorie, dass es einfach nur ein Geräusch zum Erschrecken ist womöglich logischer erscheint als im Fall des Bussis.

  5. Nicola

    Vielen vielen Dank!
    Was das “Baba” angeht, das verdient in der Tat einen eigenen Beitrag!
    Zum Thema “Boo” – es braucht vielleicht eine Kategorie für englische Sprachperlen?
    “Geh bitte”: da muss ich gleich mal recherchieren :)

  6. Pingback : Das Sprachperlenspiel Zum Abschied ein Tschau-Baba! Oder einen Gruß an den Herrn Papa. - Das Sprachperlenspiel

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